Über Umbrüche, Übergangsphasen und den Mut dich zu zeigen

Umbruch heißt: Etwas wird brüchig


Du spürst, dass sich etwas verändert. Vielleicht im Beruf, vielleicht in einer Beziehung. Was dich lange getragen hat, fühlt sich nicht mehr stimmig an. Es bröckelt. Nicht laut. Aber deutlich.

Bei mir begann es schleichend. Beruflich fühlte sich vieles nicht mehr stimmig an. Dieses Gefühl wischte ich aber lange weg. Ich probierte Neues aus und hielt gleichzeitig am Alten fest. Das Bekannte gab mir Sicherheit, auch wenn ich innerlich schon weiter war. Das Neue fühlte sich unsicher an. Fast wie eine Verletzung.
Was ich damals noch nicht wusste: Während ich außen versuchte, alles zusammenzuhalten, wuchs ich innen. Die äußere Haut wurde zu eng. Sie bekam Risse. Das war schmerzhaft. Und notwendig. 

Die Geschichte vom goldenen Buddha

Jahrhundertelang stand in einem Tempel in Thailand eine unscheinbare Buddha-Statue aus Ton. Als sie bei einem Umzug beschädigt wurde und Risse bekam, kam etwas Unerwartetes zum Vorschein: Unter dem Lehm verbarg sich reines Gold. Die Statue war nie wertlos gewesen. Sie war geschützt. Verhüllt.

Diese Geschichte hat mich auch deshalb so tief berührt, weil ich Thailand so liebe und mir der Buddhismus nahe ist. Und vielleicht kann sie dich an etwas in dir erinnern.

In dir ist ein goldener Buddha. Es kann sein, dass du ihn schon seit Jahren bedeckst. Mit Angst. Mit Anpassung. Mit Schuld. Mit Selbstzweifeln. Nicht, weil du falsch bist. Sondern weil du gelernt hast, dich zu schützen.

Wenn Schutz zur Last wird

Viele Menschen kommen ins Coaching und sagen:
„Ich erkenne mich nicht mehr richtig wieder.“
„Ich funktioniere, aber ich lebe nicht.“
„Ich bin müde davon, stark zu sein.“
„Ich habe mich irgendwo selbst verloren.“

Fast immer befinden sie sich in Umbruchphasen. Wechseljahre. Trennungen. Berufliche Neuorientierung. Erschöpfung. Innere Leere.

Darunter liegt selten ein Mangel an Stärke, sondern ein Zuviel an Schutz.

Umbruchphasen sind Einladungen

Wenn der Ton Risse bekommt, fühlt sich das zunächst bedrohlich an. Sicherheit bröckelt. Rollen passen nicht mehr. Auch wenn es dir so vorkommt: Das ist kein Versagen. Es ist ein Entwicklungsruf.

Warum wir unser inneres Gold verdecken

Die Schutzschicht entsteht im Laufe deines Lebens. Vielleicht hast du gelernt, dass du gut zurechtkommst, wenn du dich anpasst. Um dazuzugehören. Um Erwartungen zu erfüllen. Um stark zu wirken. Deine äußere Schutzschicht gibt dir oft sehr lange Sicherheit. Vielleicht fühlst du dich sogar geborgen. Doch irgendwann kann dir diese Hülle den Atem nehmen.

Radikale Akzeptanz als Weg durch den Umbruch

An diesem Punkt setzt das an, was Tara Brach Radikale Akzeptanz nennt. Es geht nicht darum, dich sofort zu verändern oder etwas „in Ordnung zu bringen“. Sondern darum, zuerst wahrzunehmen, was jetzt gerade da ist.

Nicht mit dem inneren Kommentar: So sollte ich nicht sein. Sondern mit einer freundlichen, ehrlichen Haltung: So bin ich gerade. Und das darf da sein. Es ist okay, wenn meine Schutzschicht gerade Risse bekommt. Es ist okay, dass das wehtut. Das ist Teil meiner Entwicklung. Teil meines Seins.

In meinem Coaching geht es nicht darum, deinen Schutz zu entfernen, sondern darum, dir einen Raum zu geben, in dem du deine Risse zeigen darfst. Einen Raum, in dem dein goldener Buddha wieder strahlen kann, ohne Angst davor, Erwartungen erfüllen zu müssen. Es geht nicht darum, besser zu werden, sondern wiederzuerkennen, was längst da ist.

Dein goldenes Selbst

Du musst es nicht erschaffen.
Es ist bereits da.

Zum Schluss

Dein Ton bekommt Risse.
Nicht, weil etwas falsch läuft.
Sondern weil etwas Echtes sichtbar werden will.
Dein inneres Gold meldet sich.
Leise. Unübersehbar.
Und bereit, gesehen zu werden.

Literaturtipp:

Tara Brach: Lass den goldenen Buddha in dir strahlen