Gerade habe ich stundenlang an meinem ersten Insta-Post herumgebastelt. Ich fand´s nie gut genug. Thema: Perfektionismus. Das ist schon ein bisschen lustig! Ich kann mich gut erinnern, wie ich früher mit meinem Perfektionismus kokettiert habe. „Ich bin halt sehr genau.“ „Bei mir muss es richtig gut werden.“ Oft klingt das souverän – dabei steckt dahinter nicht selten Anspannung, Unsicherheit und der stille Wunsch, endlich genug zu sein.

Zugegeben: Das Gestalten hat mir riesig Spaß gemacht. Es hat mir auch etwas gegeben. Kreativität ist für mich tief erfüllend. An Perfektionismus sehe ich inzwischen allerdings nur noch wenig Positives. Denn oft ist es doch so: Du willst etwas richtig gut machen – und bist am Ende trotzdem enttäuscht. Die Erwartungen waren höher. Zurück bleiben Wut, Frust, Traurigkeit. Und dieses vertraute Gefühl: Ich habe versagt.

So ging es mir übrigens auch, als ich meine Website neu gestaltet habe. Erst war da Energie und Freude. Dann kamen die Zweifel: Das reicht nicht. Ich kann das nicht. Andere sind viel besser. In mir tobte das kleine Kind, das seine Bastelarbeit zerreißt und die Ecke pfeffert – Tränen, Füße stampfen, Drama.

Den Laptop habe ich nicht in die Ecke gepfeffert. Aber die Unruhe war da. Also habe ich innegehalten, tief durchgeatmet – und erkannt: Die Perfektionismus-Falle schnappt gerade zu.

Warum Perfektionismus uns erschöpft

„Sei perfekt“ – dieser innere Antreiber sitzt tief. Hinter ihm stecken oft Ängste: vor Kritik, vor Fehlern, davor, nicht zu genügen.

Perfektionismus ist häufig eine Strategie, die wir irgendwann gelernt haben. Oft schon früh. Vielleicht hast du erlebt, dass Fehler bestraft wurden. Dass du nur dann Anerkennung bekommen hast, wenn alles richtig war. Oder dass es sicherer war, unauffällig und „gut“ zu sein.

Perfektionismus kann dann schützen. Er hilft, alte negative Erfahrungen nicht noch einmal fühlen zu müssen. Das Problem: Was früher hilfreich war, wird später oft zu anstrengend.

Gerade Menschen, die viel leisten – beruflich wie privat – verlieren dabei leicht den Kontakt zu ihren eigenen Grenzen. Auf Dauer macht das müde. Und leer.

Natürlich ist nichts falsch daran, gute Arbeit machen zu wollen. Die entscheidende Frage ist: Warum tust du, was du tust? Aus Freude, Neugier, Entwicklung? Oder um dich vor alten Gefühlen wie Scham, Kritik oder Ablehnung zu schützen?

Gesunder Anspruch ist beweglich. Er erlaubt Pausen, Unfertiges und Lernen. Ungesunder Perfektionismus dagegen macht hart mit dir selbst – und raubt Lebensenergie.

Perfektionismus und Aufschieben

Viele Menschen, die sich als „faul“ erleben oder Dinge aufschieben, stecken in Wahrheit mitten im Perfektionismus. Die Angst, den eigenen Ansprüchen nicht zu genügen, blockiert den ersten Schritt. So vermeidest du Fehler – aber auch Wachstum. Denn Entwicklung beginnt nicht mit Perfektion, sondern mit dem Mut anzufangen.

Mein Weg aus der Perfektionismus-Falle

Ich tappe heute seltener in die Perfektionismus-Falle. Dieses Mal haben mir geholfen: bewusstes Atmen und Wahrnehmen dessen, was gerade da ist, Schreiben ohne mich zu bewerten, Hilfe annehmen und meine Erfahrungen teilen.

Heute bin ich stolz auf meine Website. Sie ist nicht perfekt. Und genau das fühlt sich richtig an. Sie darf wachsen – so wie ich.

In meinem Coaching begleite ich Menschen in Phasen des Übergangs. Also auch Menschen, die ihren Perfektionismus überwinden möchten und spüren, dass der innere Antreiber sie mehr kostet als schützt. Gemeinsam schauen wir hin: auf alte Erfahrungen, hohe Ansprüche und auf das, was dir heute wirklich guttut. Persönlich und individuell. Damit Leistung wieder leichter wird – und du dich selbst nicht länger aus dem Blick verlierst.